Geschichte unserer Mission

Die Anwesenheit der Italiener in Berlin lässt sich bis auf die Wende vom 19. zum 20. Jhs. zurückverfolgen. Anfang des 19. Jhs. waren es rund 1.300. Infolge der regen Bautätigkeit und der industriellen Entwicklung der Stadt wuchs ihre Zahl seitdem ständig. Am 8.11.1891 wurde der italienischen Gemeinschaft die erste Kapelle zugewiesen, St. Joseph in der Pappelallee 61, im Norden Berlins, wo viele Italiener wohnten.
Die Pfarrer wechselten häufig. 1930 wurde die Diözese gegründet und die Stadt erhielt einen Bischof.
Das Casa Pio XII in Dahlem

Zu den ca. 120.000 Italienern, die nach dem 8. September 1943 in Deutschland als Arbeiter in Industrie und Landwirtschaft arbeiteten, kamen noch über 600.000 Soldaten – davon fast 38.000 in Berlin – welche die deutsche Wehrmacht in Italien und auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entwaffnet und gefangen genommen hatte. Sie wurden verschiedenen Gefangenen- und Arbeitslagern zugeteilt. Wegen der schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie der Kriegsgeschehnisse starben tausende.
1944 kam Don Luigi Fraccari nach Berlin, eine als Geistlicher wie auch als Mensch hervorragende Persönlichkeit, deren oberstes Ziel es war, diesen Landsleuten zu helfen. Die Stadt, die seit Kriegsanfang fortwährend bombardiert worden war, lag zur Hälfte in Trümmern. Waren die Lebensbedingungen für die Bevölkerung schon dramatisch, so waren sie für die Gefangenen geradezu unerträglich. Viele waren völlig erschöpft.
September 1945, fast vier Monate nach der Besetzung der Stadt durch die Russen, vertraute die bischöfliche Kurie Don Fraccari “die Sorge um die Seelen der Italiener von Berlin und in der russischen Zone“ an.
Für seine pastorale Tätigkeit, wurden Don Fraccari 1946 die Kirche von St. Afra und die Sankt-Josephs-Kapelle in der Pappelallee zugewiesen. Als er in den Kriegstrümmern nach seinen Landsleuten suchte, kam ihm die Eingebung, eine Zufluchtstätte für Italiener, besonders Waisenkinder und ältere Menschen ohne Familie und ohne Rückkehrmöglichkeit nach Italien zu gründen.
Als ob die fürchterlichen Leiden des Krieges nicht genügt hätten, erlebte die Stadt 1948 eine weitere Periode voller Schwierigkeiten und Ängste, als die Sowjets am 24.06.1948 eine Blockade verhängten und somit die Lebensmittelversorgung fast verhinderten. Durch eine denkwürdige Luftbrücke der Alliierten wurde die Stadt gerettet.

 

Casa Pio XII
Casa Pio XII a Dahlem

Am 2. November 1948 veranlasste Papst Pius XII. die Finanzierung und den Bau eines „Hauses für die Italiener“. So entstand in Zehlendorf das „Haus Pius XII.“ mit einem Waisenhaus, einer Kapelle sowie einer Bibliothek.
1950 kamen vier Schwestern des Instituts “Sorelle della Misericordia” von Verona als Hilfe, nach Berlin.
Ein weiteres großes Verdienst von Don Fraccari war die Errichtung des italienischen Soldatenfriedhofs in Berlin-Zehlendorf: 1.178 Italiener, überwiegend Militärinternierte, die während des Krieges gestorben und an verschiedenen Stellen der Stadt oder auch außerhalb begraben worden waren, wurden dank des unermüdlichen Einsatzes des Priesters identifiziert und auf diesem Friedhof beigesetzt.

Mit dem Bau der Mauer 1961 und der Teilung Berlins – ein Teil unter der Kontrolle der Sowjets und der andere unter derjenigen der Alliierten – begann für die Stadt eine weitere schmerzliche Phase, die fast dreißig Jahre dauern sollte. Die italienische Gemeinschaft war nicht unmittelbar davon betroffen, da die Zahl ihrer Mitglieder stark zurückgegangen war. Für die verbliebenen rund 800 Seelen, die aufgrund von Eheschließungen mit Einheimischen eine Familie gegründet und in Ost-Berlin geblieben waren, begab sich Don Fraccari jeden Sonntag auf die andere Seite der Mauer, um die Hl. Messe zu feiern.

Chiesa Maria Himmelfahrt
Chiesa Maria Himmelfahrt (fino al 2004)

1977 folgte auf Don Fraccari Don Giovanni Camozzi, der mehr als 17 Jahre im Dienst der italienischen Gemeinschaft von Berlin tätig war und 1989 den Fall der Mauer miterleben konnte. Während seiner seelsorgerischen Tätigkeit zog die Pfarrei 1989 nach Charlottenburg in die Mariä-Himmelfahrt-Kirche in der Mindener Strasse 1 um.
1994 folgte auf Don Camozzi, Don Giuseppe Chiudinelli, der 5 Jahre in Berlin blieb.
1. Oktober 1996 kam Don Giovanni Paganini aus der Diözese Brescia. Er blieb bis zu 31. Januar 1998 wenn er als Pfarrer der Italiener zum Hannover zog.
1. September 1999 kam Don Alfio Bordiga aus der Diözese Brescia.
Im Juli 2004 kam es zu einer erneuten Verlegung des Sitzes der italienischen Pfarrei in die Rubensstrasse 78 (Stadtteil Friedenau).
20. September 2009 kam wieder nach Berlin Don Giuseppe Chiudinelli, und Don Alfio kehrt nach Brescia zurück
Mai 2010, wegen finanziellen Schwierigkeiten wurde die Kirche an der syrische orthodoxe Gemeinde verkauft.Die italienische Mission zieht nach Wilmersdof in der Heilig Kreuz Kirche um.
Juni 2015 starb plötzlich Don Giuseppe.
Don Stanislaw Maciak ist der neue Missonar seit Dezember 2015.

Unsere Missionare

Gedächtnisorte

Treuenbrietzen-Nichel: Gedenkstein zur Erinnerung an ein Massaker (1945)

Ortschaft ca 50 Kilometer südwestlich von Berlin. Ein Gedenkstein erinnert an das Massaker von 127 italienischen Kriegsgefangenen am 23 April 1945 durch eine noch nicht ermittelte militärische deutsche Abteilung. 

Stele dell'eccidio di Treuenbrietzen
Stele dell’eccidio di Treuenbrietzen

Gedenkstein im Jahre 1995 durch die italienischen Behörde errichtet

Die Opfer waren Soldaten, die die Nazis nach dem Waffenstillstand am 8. September 1943 entwaffnet, nach Deutschland abgeschleppt und in einem Lager interniert hatten. Sie leisteten für zwei nahe gelegene Munitionsfabriken Zwangsarbeit. An einem der letzten Kriegstage – während die Rote Armee sich anschickte, die Stadt Treuenbrietzen zu stürmen – wurden sie von deutschen Militärs abgeführt. Vor einer Sandgrube bei der Unterführung der Bahnlinie Wittenberg-Potsdam, wurden sie erschossen. Vier von ihnen überlebten wie durch ein Wunder und waren Zeuge des Massakers. Die Toten wurden zuerst provisorisch am Ort der Erschießung begraben. Anschließend wurden sie exhumiert und auf dem Friedhof von Nichel bestattet. Später wurden die Opfer – unter Mitwirkung des italienischen Geistlichen Luigi Fraccari – nach Berlin überführt und auf dem Waldfriedhof Zehlendorf bestattet. (Siehe folgendes). Ihres Schicksals wird jedes Jahr am Befreiungstag, dem 25. April, durch die Italienische Botschaft, die Kommune von Treuenbrietzen, sowie durch kulturelle und politische Gesellschaften feierlich gedacht.

Verbindungen von Berlin:

Auto:
Nach Treuenbrietzen: A115 (AVUS) bis zum Ende – A10 (Berliner Ring) in Richtung Hannover/Magdeburg/Leipzig bis zur ersten Ausfahrt nach Michendorf – B2 nach links in Richtung Treuenbrietzen – bis Treuenbrietzen. Von Treuenbrietzen (Zentrum) zum Gedenkstein: Bäckerstrasse – Umleitung nach Belzig – Kreuzung mit der Strasse 102 – Strasse 102 bis zur Kreuzung mit der Strasse nach Brück – Brückerstrasse bis Nichel – Dorfstrasse bis zur Sandgrube. Es wird jedoch empfohlen – da der Ort auf dem Land liegt – sich über die Art, sich über die beste Verbindung beim lokalen Heimatmuseum zu erkundigen:
Großstraße 1a – 14929 Treuenbrietzen
Tel: 033748/70506, Fax: 033748/
Öffnungszeiten: Mittwoch – Freitag, 13:00-17:00 Uhr
Alternativ nach Treuenbrietzen: AVUS > Magdeburg/Leipzig > Leipzig > Ausfahrt Linthe > Brück > Nichel > Treuenbrietzen.

Eisenbahn: Regionalbahn vom Bahnhof Wannsee (jede zweite Stunde) in Richtung Jüterbog (ca. 45 Min.). Aussteigen in Treuenbrietzen-Hbf oder in Treuenbrietzen-Süd. Bushaltestelle in der Strasse B102 zum Stadtzentrum.

 

Berlin – Zehlendorf: Italienischer Militärfriedhof des Zweiten Weltkrieges

Cimitero Militare Italiano di Zehlendorf
Cimitero Militare Italiano di Zehlendorf

Auf diesem Friedhof ruhen die sterblichen Überreste von 1265 Italienern, größtenteils ehemalige Kriegsgefangene aus den Lagern des III. Reiches. Unter ihnen befinden sich auch Zivilisten. Der Friedhof wurde im Zeitraum 1955 – 1957 errichtet.
Er hat einen rechteckigen Grundriss und eine Fläche von 6.540m2. Auf jedem Grab steht ein Grabstein mit einer Bronzetafel, auf der der Name, der Dienstgrad bzw. der Beruf der Gefallenen eingraviert ist. Am Eingang ist der Weg zur italienischen Abteilung ausgeschildert.
Auf diesem Friedhof ruhen viele der Opfer von Treuenbrietzen.
Der Friedhof ist Teil des Waldfriedhofs von Zehlendorf in der Potsdamer Chaussee. Der Eingang befindet sich am Wasgensteig.
Verbindungen mit den Verkehrsmitteln: S-Bahn bis Mexikoplatz und von dort mit dem Bus 118 (Rathaus Zehlendorf-Potsdam) in Richtung Potsdam.
Wir bedanken uns beim Gen. Claudio Acquaviva, der seine Dokumente über den Friedhof von Zehlendorf uns geliefert hat.
Bitte beachten Sie, dass Namen, Grabstellen und Exhumierungdaten nicht offiziell sind. Offizielle und aktuelle Daten finden Sie (außer der Grabstellen) auf der Webseite des Italienischen Verteidigungsministeriums – Commissariato Generale Onoranze Caduti in Guerra (ONORCADUTI) Rom: link.

Acquaviva Dokumente

Plan
Plan 2
Gefallene (in alphabetischer Reihenfolge)
Gefallene (per Grab)
Gefallene (Treuenbrietzen)

 

Stahnsdorf (Potsdam): Italienischer Militärfriedhof des Ersten Weltkrieges

Auf dem Friedhof sind 1659 italienische Soldaten des Ersten Weltkrieges begraben. Sie waren fast ausschließlich Kriegsgefangene.

Cimitero Militare Italiano di Stahnsdorf
Cimitero Militare Italiano di Stahnsdorf

 Bis zum Jahre 1976 lagen sie in Einzelgräbern. Dann wurde die Abteilung zur Zeit der DDR umstrukturiert. Ein Rasen entstand und die originalen Steingräber wurden entfernt. Am Ort wurden als Symbol 25 Steinkreuze errichtet.
Die Namen der Toten sind auf Bronzetafeln eingraviert, die auf einem Obelisken im Zentrum der Abteilung angebracht sind.
Der Militärfriedhof ist Teil des monumentalen Südwestkirchhofs, der wegen seiner Maße und seiner Struktur einem Waldpark ähnelt. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist noch heute Eigentümerin des Südwestkirchhofs.
Gegenüber der italienischen Abteilung liegt auch der britische Militärfriedhof.
Adresse: Bahnhofstrasse – 14352 Stahnsdorf (Potsdam)
Verbindungen von Berlin: Bus 623 (diese Buslinie fährt von der U-Bahn Station Oskar-Helene-Heim bis nach Stahnsdorf-Bahnhofstrasse und hat einen Anschluss zur S-Bahn S1 von Zehlendorf. (Achtung! Bus 623 fährt am Wochenende zwischen 08.00 und 17.00 nicht!)

Für eine detaillierte Webseite bitte folgen Sie dieses link.

Für den Südwestkirchhof folgen Sie dieses link.